COFFEE OR TEA?

coffeorteaLetztens, auf dem Rückflug aus meinem Urlaub dachte ich daran, wie viele nette Menschen ich auf meiner Reise kennengelernt habe. Überhaupt: Auf Reisen trifft man die unterschiedlichsten Menschen. Aus fernen Ländern, anderen Kulturen. Interessante, außergewöhnliche, anders aussehende, tolle, gastfreundliche und lustige Menschen. Bis mich plötzlich ein wild vor- und zurückwippender Flugzeugsitz aus meinem Gedanken riss. Und da fiel es mir wieder ein. Dazwischen gibt es ja noch die anderen. Beziehungsweise in dem Falle davor. Die nervige Sorte der anderen Reisenden, denen man eigentlich gar nicht begegnen möchte. Es passiert aber trotzdem, weil diese Menschen ausgerechnet immer zeitgleich mit dir auch irgendwohin reisen müssen. Frechheit. Und so ein Flug ist prädestiniert für so etwas. Wahllos zusammengewürfelte Charaktere über mehrere Stunden auf kleinstem Raum. Irgendwie klar, dass da jemand dabei sein muss der aus der (Sitz-) Reihe tanzt.

Bei einem ausgebuchten Flug erhöht sich die Wahrscheinlichkeit allerdings drastisch, nicht nur vor sich, sondern auch neben sich jemanden sitzen zu haben, der…wie soll ich sagen…einfach nicht mit dir kompatibel ist. Genauso wie es meine Sitznachbarin und ich nicht waren. Dies bekam ich unmissverständlich zu verstehen, indem sie sofort ihren Pullover über Mund und Nase zog, nachdem ich leicht husten musste. Nur um das klarzustellen: Ich hatte ihr dabei nicht in ihr Gesicht gehustet. Ich drehte meinen Kopf in die entgegengesetzte Richtung und hielt meine Hand vor den Mund. Mit dem zweiten Mal husten fuhr sie dann größere Geschütze auf und wickelte ihren Schal über ihr halbes Gesicht. Nachdem sie dann allerdings ihre Schuhe auszog, musste auch ich mir den Pullover über die Nase ziehen.

Einmal während eines Fluges, da hätte ich gerne jemand anderem etwas übergezogen. Einem von der Sorte, der dir stundenlang seine weniger interessante Lebensgeschichte aufdrückt. Nicht, dass ich danach gefragt hätte. Zu Wort gekommen bin ich ja ohnehin nicht. Das mit dem Überziehen war dann aber doch nicht nötig. Sein Glück. Ich konnte mich in einem kurzen Moment seiner Unaufmerksamkeit schlafend stellen.

Andere Fluggäste fühlen sich wiederum während eines Fluges wie zu Hause. Eigentlich das größte Kompliment, was ein Passagier einer Airline machen kann. Manche hingegen nehmen das etwas zu ernst. Wie einmal diese Mutter mit Tochter. Beide mit blondierter Kurzhaarfrisur und füllten mehr als nur einen Sitzplatz aus. Tochter legte ihre Beine auf den Schoß ihrer Mutter. Die Distanz zwischen Fußzehen und dem Gesicht meiner Schwester war gering. Aber das sollte beim Fußnägel lackieren nicht weniger stören. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar noch ein Kind, aber ich wusste damals schon, dass mit dieser Frau irgendwas nicht stimmte.

Genauso, wie auch mit der Frau etwas nicht stimmte, die neben mir saß, als ich einmal auf dem Weg in meinen Urlaub war. Flugangst. Schlimme Sache. Für mich mindestens genauso wie für sie. Erst hielt sie mich für eines der Kinder, welches zu der Schulklasse in den hinteren Reihen gehörte. Dann fing sie an, ununterbrochen mit mir zu reden. Ich wusste danach alles von ihr. Und sie, wenn es nach ihr gegangen wäre, auch alles von mir. Ich hätte meinen Rückflug fast umgebucht, nachdem ich außerdem erfuhr, dass sie genau mit demselben Flieger wie ich zurückfliegen würde. Wir könnten dann ja wieder nebeneinander sitzen und erzählen, da ich ja so nett sei. Konnte ich gar nicht verstehen. Schließlich hatte ich auf ihre Frage, warum der Pilot plötzlich nicht mehr wie zu Beginn des Fluges mal was von sich hören ließe, geantwortet, dass er wahrscheinlich gerade ein Nickerchen mache. Die hat mich vielleicht angeguckt. Zumindest war dann aber erst mal Ruhe. Vielleicht lag es aber auch an der Valium die sie mir zuvor stolz präsentiert hatte.

Und während ich mit Pullover über der Nase und eingepfercht von dem Sitz meines Vordermannes mich an all diese „außergewöhnlichen“ Menschen erinnerte, versuchte ich mir zu sagen: Es geht vorbei! Und schließlich hörte ich die erlösende Stimme des Stewards endlich fragen: „Coffeeee or Teaaaa?“ – „Vodka straight and a nose clip. Please!“

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