GUT GEMEINT IST MANCHMAL BESSER GELASSEN

VorsichtIch hatte es wirklich nur gut gemeint, als ich mal das Treppenhaus samt Außentreppe putzen und eine vorbildliche Mieterin sein wollte. Bei -10° C. Ich konnte dabei zusehen, wie das Wasser vor meinen Augen gefror – noch bevor mir klar wurde, dass ich das mal besser gelassen hätte. Meine nachträgliche Notiz „Vorsicht glatt“ war somit auch mehr gut gemeint als hilfreich.

Es passiert öfter mal, dass ich es gut meine, aber dann feststellen muss, dass „gut“ nicht immer gleich „gut“ ist. Tatsächlich gibt es manchmal Schlechtes am Guten. Klingt paradox, ist es auch. Zumindest dann, wenn man es wirklich gut meint und der Überzeugung ist, Gutes zu bezwecken und einem dann aber – die Treppe zufriert. Dass in diesem Fall auch eine Portion Geistesgegenwärtigkeit gefehlt hat, ist ein anderes Thema. Vor lauter „gut meinen“, kann man in der Euphorie darüber schnell vergessen, dass es nicht ausschließlich darum geht, was man für sich selbst als gut empfindet. Wie war das noch mit der eigenen Erwartungshaltung? „Gut meinen“ – das kann auch mal gut nach hinten losgehen. Etwa ein gut gemeinter Versöhnungsversuch. So etwas kann durchaus sogar so gut nach hinten losgehen, wie es gut gemeint nicht mal nach vorne bewirkt hätte.

Es gut meinen sollte zudem nicht heißen, es besser zu meinen. Besser ist zwar die Steigerung von gut, aber weiß man immer, was das Beste für jemanden ist? Es kommt auch vor, dass andere es gut mit mir meinen, aber ich das manchmal gar nicht gut finde. Nicht jeder gut gemeinte Rat ist gut. Nicht jede Meinung gewünscht. Nicht um alles, was andere für einen tun oder sagen, hat man gebeten, weil man es nie wollte oder es anders und für sich richtig gemacht hätte. Aber man meint es ja nur gut mit dir, hin und wieder vielleicht sogar besser. Mütter, Tanten (auch solche, die sich nur so nennen) und Omas können das besonders gut. Wobei sie es tatsächlich oft gut meinen und dazu wirklich besser wissen. Wie sie das machen, das habe ich bislang noch nicht rausgefunden. Vielleicht muss ich dafür selbst erst mal Mutter, Tante und Oma werden.

Manchmal gar nicht so schwer, von „gut – besser – am besten“ gleich zu „besser gelassen“ abzurutschen.

Wo Steigerung, da auch Fall. Für solch eine Gratwanderung bietet sich vor allem Weihnachten hervorragend an. Denn es ist die Zeit der Geschenke. Klingt eigentlich nach was Schönem. Ist es auch. Wenn es denn keine Geschenke sind, mit denen man außer Staub fangen nichts anfangen kann. Man nichts bekommt oder schenkt, was man nicht mal geschenkt haben wollte. Und solange man keine Geschenke von Menschen erhält, die einem wirklich nichts schenken müssten, was dazu weder schön noch brauchbar ist.

Die Weihnachtszeit kann wirklich so vieles sein. Auch die Zeit der gut gemeinten, dennoch besser nicht geschenkten Geschenke.

Keiner möchte nämlich gerne in Verlegenheit kommen, weil es wirklich schwierig sein kann, ein überzeugend klingendes „Vielen Dank“ rauszubringen und gleichzeitig seine Mimik unter Kontrolle zu halten, mit der man doch eigentlich pures Entsetzen und/oder Ratlosigkeit ausdrücken möchte. Zum Beispiel dann, wenn man eine kleinkindgroße Porzellanpuppe auf einem Dreirad geschenkt bekommt. Dass der damalige Freund einer Freundin dieses Geschenk gut gemeint haben soll, darüber sind wir uns bis heute nicht so ganz klar. Er hätte ihr auch einfach sagen können, wenn er Schluss machen möchte. Schade, dass es damals nicht schon das Buch Keine Geschenke erhalten die Freundschaft gab. Aber vielleicht kannte er diese Weisheit auch schon vor diesem Buch. Für all diejenigen, die noch ein passendes Weihnachtsgeschenk suchen oder Anregungen brauchen, was man alles schenken kann, um Freunde, Verwandte oder den Partner loszuwerden, ein wirklich gut gemeinter Buchtipp.

So, genug des Guten. Laut Putzplan bin ich heute wieder mit dem Treppenhaus dran. Aber keine Sorge. Ich habe ja dazu gelernt. Dem Wetterbericht zufolge dürfte ich mich diesmal mit meinem Vorhaben nicht auf dünnem Eis bewegen. Nur Regen soll es noch geben.

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7 thoughts

  1. Hallo Kindlykat😊Gibt’s eigentlich auch eine Weihnachtskolumne von dir?
    Aufjedenfall dir und deiner Familie ein Frohes Fest und einen gutem Rutsch in ein Jahr hoffentlich voller neuer humorvoller und schöner Artikel von dir! Freue mich schon! Weihnachtliche Grüße aus dem Allgäu

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    1. Vielen lieben Dank. Ich hoffe, auch du hattest schöne Weihnachten und rutschts gut in das neue Jahr. Leider war dieses Jahr keine Zeit eine Kolumne nur über Weihnachten zu schreiben. Vielleicht zum nächsten Weihnachtsfest.

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