HONGKONG – LOVE AT FIRST SIGHT

Da standen wir nun. Dicht gedrängt. Alle warteten. Alle wollten hoch. Um mich herum vernahm ich alle möglichen und einige mir unbekannte Sprachen. Denn in Hongkong ist die ganze Welt vertreten und es schien, auch alle Welt wollte an diesem Tag hoch zum Viktoria Peak, dem Hausberg Hongkongs. Jedes Mal, wenn die Tram kam, Leute absetzte und aufnahm, streckten die Menschen vor mir freudig ihre Arme hoch, um – wer hätte es gedacht – Fotos zu machen. Einmal Tram wie sie ankommt, einmal Tram wie sie abfährt. Konnte ich alles durch die großen Bildschirme der Tablets vor mir verfolgen. „Welcome to Asia!“ Außerdem konnte ich verfolgen, wie die Tram erneut ohne uns hochfuhr. Beim nächsten Mal passen wir bestimmt rein. Ich war zuversichtlich. Was blieb mir denn auch anderes übrig.

HKTram

Im Wartebereich befindet sich die Peak Tram Historical Gallery. Sie führt die wartenden Besucher durch die verschiedenen Epochen bis zum Tram-Einstieg. Das vertrieb mir die Zeit und versetzte mich bis in das 19. und 20. Jahrhundert. Seit 1888 fährt die Drahtseilbahn auf den Victoria Peak. Einst bevorzugte Wohngegend der Kolonialherren, die dem subtropischen Klima des restlichen Hongkongs entfliehen wollten. Heute eines der exklusivsten und beliebtesten Wohngebiete unter Hongkongs reichsten Bewohnern, die neben dem angenehmeren Klima wohl einen der weltweit eindrucksvollsten Panoramablicke genießen.

Nichts ist scheinbar umsonst.

Für so einen Ausblick muss man also hoch hinaus und manchmal nicht nur hoch, sondern auch extrem steil. Die Tram kam und diesmal war ich unter den Glücklichen. Nach der langen Warterei kam ich mir tatsächlich vor, als hätte ich einen Preis gewonnen. Dabei hatte ich dafür bezahlt, fast zwei Stunden anzustehen. Jeder wollte an die Fensterseite, ich hatte leider Pech. Wie in einer Achterbahn, die erst ganz steil nach oben geht, um dann rasant nach unten zu rasen, fuhren wir den Berg hinauf. Nur blieb es bei „ganz steil nach oben“. Zum Glück. Alle staunten, als die Wolkenkratzer in seltsamer Schräglage rechts von uns vorbeizogen. Bei einem Steigungswinkel von 4° bis 27° war ich mir nur nicht ganz sicher, ob die Skyline uns entgegenkam oder ob die Tram uns Passagiere da wirklich hochbringen würde. Sie schaffte es. Am Tag sogar mindestens 90 Mal.

HK Sky Terrace

Oben angekommen, suchte ich den Ausgang aus dem Gebäude des Peak Towers. Das haben die Architekten aber geschickt gemacht. Ich fand ihn nämlich nicht. Dafür Geschäfte und Restaurants ohne, dass ich danach suchen musste und mehrere Rolltreppen die hoch zur Sky Terrace 428 führen – einer Plattform in 428 Metern über dem Meeresspiegel mit einem 360° Ausblick. Ich hatte kein Ticket für die Terrasse gekauft, da man mir sagte, der Ausblick unterhalb der Terrasse sei schon beeindruckend genug und ich suchte weiter bis ich endlich nach draußen fand und zu einem Aussichtspunkt gelangte.

Da stand ich nun. Alleine. Ich war so happy. Das Wetter wurde schlechter und es war mir egal. Hier wollte ich schon immer hin. Hongkong.

Diese Stadt hatte mich schon immer besonders fasziniert. Wie eine eigene Welt, exotisch mit westlichen Einflüssen, in der alle möglichen Länder zu Hause sind. Verheißend und zugleich geheimnisvoll. Modern und traditionell, vertraut und doch so anders. Eine Stadt voller Bewegung mit vielen Gegensätzen, die trotzdem im Einklang erscheinen. Und natürlich Dim Sum! Da lag sie nun unter mir, genauso wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

HK

Und ich stand hoch genug, um genug zu sehen und war verliebt. Hongkong Island auf meiner Seite und Kowloon auf der anderen, getrennt durch das Südchinesische Meer. Zwischen grünen Baumkronen ragten unzählige Hochhäuser hervor, die, wenn sie hoch genug waren, die aufziehenden Wolken streiften. Ich sah den Victoria Harbour. In der Ferne konnte ich die Berge um Kowloon herum bis zu den New Territories erahnen. Die Wolken versperrten mir ein wenig die Sicht, verliehen der ganzen Szenerie aber irgendetwas Mystisches. Das war auch ok.

Ich blieb lange genug dort oben bis die Dämmerung einsetzte und nach und nach jedes einzelne Licht der Stadt zu leuchten anfing. Eine traumhafte Kulisse. Irgendwie fast surreal. Aber ich war wirklich da und ich wusste, ich komme wieder. Beim nächsten Mal vielleicht auch länger.

HKBW

Quelle: Pixabay
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