VOM FERNWEH & VON PORTUGAL

Wir trafen uns in Portugal. Das Fernweh und ich. Wir mochten uns von Anfang an und verstanden uns, als wären wir uns schon einmal irgendwo begegnet.

Zusammen zogen wir durch die Straßen von Lissabon und am Hafen zeigte mir das Fernweh, dass es noch andere gab, lange vor meiner Zeit, die hier standen und dem Ruf des Fernwehs folgten.

Entdecker

Das Fernweh, so alt wie die Menschheit selbst, trifft man überall auf der Welt und ist ein toller Begleiter, der dich an Ecken und Plätze bringt, die du alleine wohlmöglich niemals sehen würdest.

Und dabei ist die Sehnsucht nach der Ferne mehr als der Drang nach unbekannten Orten und entfernten Plätzen. Das Fremde und Unbekannte geht immer auch einher mit den Fremden und Unbekannten. Mit den Menschen – die fremd sein können, aber im Grunde genommen nicht anders sind als du und ich. Menschen, die nicht fremd bleiben müssen.

Ist es denn nicht auch schöner, „fremd“ irgendwann mit „vertraut“ oder sogar mit „Freund“ ersetzen zu können? Und die Sprache der Freundschaft ist überall gleich. Man müsste sie nicht einmal neu lernen, nur zulassen. Das ist das Tolle daran, Freundschaft und Liebe kennen keine Grenzen, dafür kennen sie das Fernweh umso besser.

Akkordion

Und egal wohin mich das Fernweh in Portugal brachte, ich mochte jeden Platz, jeden Ort, jedes Restaurant, jeden Strand und jede Welle, die zuvorkommenden und die hilfsbereiten Menschen.

Während dieser Zeit gab mir das Fernweh stets das Gefühl, es ist schön hier zu sein und dass ich mir gerade nichts Besseres vorstellen könnte. Mein Herz aber trotzdem nicht für immer bleiben wird, weil es mich noch woanders hintragen will und am Ende schließlich immer dahin zurück, wo zu Hause ist.

Aber für eine ganze Weile ist das Fernweh da. Lange genug, um wunderbare Eindrücke zu erleben, neue Menschen kennenzulernen und das Leben in einer anderen Umgebung. Es weckt die Neugierde in mir und bringt mich dazu, mehr sehen zu wollen, als nur das, was unmittelbar vor mir liegt.

Carrapateira

Der Zeitpunkt, wann sich das Fernweh meldet, scheint auch immer genau zu passen:

Wenn ich von hier und jetzt genug habe. Wenn mir das Wetter zu grau ist und ich die Sonne vermisse. Wenn ich mich nach freundlichen statt mürrischen Gesichtern sehne. Wenn ich mich nach gar keinen Gesichtern sehne. Wenn ich mich umhauen lassen will – von atemberaubender Natur und überwältigenden Landschaften – nicht von Nerv raubenden Autostaus und erdrückendem Großstadtgewusel. Wenn ich dem Stammtischgerede mancher Leute entkommen möchte, denen man oft genug unfreiwillig zuhören muss. Zu Themen, die wesentlich mehr verlangen als pauschal angewandte, oft unüberlegte Aussagen – zusammengesetzt aus Boulevardzeitungsüberschriften und Internet-Kommentaren.Portugal

Das Fernweh weiß genau wann es Zeit ist. Ich sagte ja, wir verstehen uns. Und dann wächst das Gefühl, weg sein zu wollen. Irgendwo zu sein, wo es gerade nicht so ist, wie es hier ist. Und wenn ich nicht hier sein will, dann möchte ich auf dem Sonnendeck sein. Oder auf irgendeiner Klippe am Ende der Welt. Meinetwegen auch in einer Seilbahn auf dem Weg hoch zum Pichincha. Vielleicht aber auch in einem Trisikad, um die Reisterrassen von Ifugao zu erkunden oder am Strand von Carrapateira, um mich dort in die Wellen zu schmeißen – mit dem Bodyboard, denn Surfen das kann ich nicht – nur in meinem Kopf, aber das zählt wohl nicht. Die coolen Surf-Moves, die überlasse ich den anderen, aber schaue gerne zu oder vielmehr die gutaussehenden Surfer an und hänge dabei loose an meinem Bodyboard – ungefähr so lasch wie dieser Wortwitz ist.

Beach

Je mehr ich mich dieser Vorstellung hingebe, je länger es draußen weiter kalt und unbeständig bleibt, desto mehr möchte ich zurück nach Portugal. Jetzt! Sofort!

An die Strände der Algarve, wo die Sonne die Felsen zum Leuchten bringt und der Wind einem herrlich das Haar zerzaust.
In das Restaurant Os Jerónimos in Lissabon im belebten Stadtteil Belém, wo ich selten so leckeren Fisch gegessen habe.
Zu der freundlichen Obst-Verkäuferin, die uns mit Wikipedia die Wirkungen der uns unbekannten und lustig aussehenden Früchte erklärte.
Ich möchte zurück, in Lissabons Stadtteil Campo de Orique, in das grandiose Ferien-Apartment mit dem 6 Meter langen Flur, der bestimmt extra so gestaltet wurde, nur um die Strecke mit dem Skateboard zurücklegen zu können.
In den angesagten Club Lux und im Licht der gigantischen Discokugeln die Nacht durchzumachen.

BusAlgarve

Ich würde sogar in einen dieser touristischen Doppeldeckerbusse zurück wollen für eine Stadtrundfahrt, wovon ich dachte, so etwas nie und nimmer zu tun, aber als Geburtstagswunsch jemandem zuliebe doch tat und ganz so schlimm war es schließlich doch nicht.
Bevorzugen würde ich dennoch die Dachterrasse des Hostels in der Hafenstadt Lagos, ein paar Runden Jenga bei Rotwein und netter Gesellschaft.
Oder eine Zugfahrt von Lagos über Faro zurück in Portugals Hauptstadt, die man über die bekannte Brücke Ponte 25 de Abril erreicht, die neben den steilen Straßen des Barrio Altos und den gelben Trams die Stadt ein wenig wie San Francisco erscheinen lässt.

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Das Fernweh und ich und dann auch noch in Portugal. Das war ein bisschen wie Liebe auf den ersten Blick und Liebe, die durch den Magen ging – vielleicht sogar das vor allem. Eine süße Liebe, bei all den vielen köstlichen Pasteis de Belem oder Pasteis de Nata. Kleine, feine Blätterteigtörtchen gefüllt mit einer puddingähnlichen Creme aus Sahne, Eigelb und Zucker. Überhaupt nicht zu vergleichen mit den hier bekannten Puddingteilchen. Am besten schmecken sie warm serviert, denn dann entfalten sich die herrlichen Aromen ganz besonders. Zimt, Karamell, Puderzucker. Ein Traum. Der vorerst auch einer bleibt. Aber mal sehen wie lange noch. Das Fernweh hat schließlich schon angeklopft.

PasteisBrücke

 

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5 thoughts

  1. Ein sehr lesenswerter, toller Bericht und sehr schöne Bilder.
    Vielleicht hätte zu Beginn ein Hinweis zu den Nebenwirkungen stehen sollen👍😎
    Nebenwirkungen direkt los fahren zu wollen z.B. und da hilft auch kein Arzt oder Apotheker👍😎

    Gefällt 1 Person

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