LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN

sorryAufgewärmter Spinat ist giftig. Lange hielt sich dieses Ammenmärchen bis endlich mit dem Mythos aufgeräumt wurde, weil das so ja gar nicht stimmt. Bestimmt hat es jemand einfach mal ausprobiert und es ist nichts passiert – außer, dass der oder diejenige danach satt und (hoffentlich) glücklich war. Wie gut, dass sich jemand geopfert hat, denn bei mir gab es an diesem Abend Spinat – aufgewärmt für meine Freundin und mich, die mir brühwarm erzählte, dass sie wieder mit ihrem Ex zusammen sei. Da blieb mir kurz der Spinat im Halse stecken. Der, der so ein Idiot gewesen und ihr auch noch fremdgegangen ist? „Da wir ja gerade beim Thema sind mit aufgewärmtem Essen und so, das gibt es in der Liebe ja auch“, versuchte sie mir die Sache zu erklären, die in diesem Fall wenig nachvollziehbar schien, während ich am Schlucken war. Und sie fuhr fort:

„Also, zumindest kann es das geben und bei uns hat es sich nun mal wieder ergeben. Das ist wie mit dem Spinat hier. Man denkt erst, es ginge nicht, aber aufgewärmt funktioniert es doch. Und das ist richtig lecker. Aufgewärmte Liebe kann das auch“.

Aha! Ist das so? Aufgewärmte Liebe kann also schmecken? Dabei gibt es Essen, das aufgewärmt so gar nicht gut schmeckt, und auch wenn es Spinat nicht ist, manches soll wirklich giftig sein – man merkt es oft erst viel später. Aber gut, ich habe mal ein Austern-Eier-Omelette (!) gegessen, in einem kleinen Strandrestaurant in der prallen Äquatorsonne Ecuadors (!!), das nicht einmal erneut aufgewärmt werden musste, um sich als einer der beschissensten (sorry, aber das Wort passt nun mal wirklich gut) Ideen rausstelle, die ich in meinem Leben bis dahin hatte. Also, was weiß ich schon von der Liebe und vor allem von aufgewärmter Liebe? Vielleicht erfahren wir das am Ende dieser Kolumne.

Aber mal abgesehen von Eiweißschock und Salmonellen-Momenten, eigentlich kenne ich mich mit Essen ganz gut aus. Jedenfalls hat es meinen Gästen bisher immer sehr gut geschmeckt. Ich habe auch nie etwas aufgetischt, was man nicht mehr essen sollte. Glaube ich. Vielleicht waren sie aber auch immer sehr höflich, wenn es nicht oder sehr komisch geschmeckt hat. Zumindest weiß ich, dass es wiederum Essen gibt, das aufgewärmt richtig gut, wenn nicht sogar besser schmeckt. Man muss nur wissen, welches sich dafür am besten eignet. Die Frage ist also, bevor wir uns ans Aufwärmen machen, um was für eine Art Liebe hat es sich denn vorher gehandelt?

Wenn ich mir so vorstelle, alte Lieben wieder aufzuwärmen und mich zurückerinnere an Verflossene, dann war das bei dem einen auf jeden Fall eine süße Liebe, so wie Capri-Eis an einem heißen Sommertag. Erfrischend nach langer Durststrecke und zuckersüß am Anfang. Umso klebriger und nerviger zum Ende, weil die Sonne das Eis immer schneller auf meine Hand tropfen ließ als ich jemals lecken und gleichzeitig Wespen verscheuchen kann.

Diese Liebe aufgewärmt? Bei Eis erübrigt sich die Frage wohl. Das Wort „verflossen“ hat nie besser gepasst.

Dann gab es noch diese andere Liebe, die war wie Rotkohl, Knödel und Braten. Ein Festschmaus. Ein solides, gut bürgerliches, traditionelles Essen für das ich immer schwärmen werde. Eines meiner liebsten, das frisch, heiß und dampfend am besten funktioniert. Aufgewärmt leider nur bedingt. Denn: Aufgewärmter Rotkohl schmeckt. Aufgewärmte Knödel sind geschmacklich ok, aber das fluffige, das einen Knödel ausmacht, das ist verpufft. Und dann ist da noch der Braten. Das, was an diesem Essen die größte Arbeit ausmacht, das Herzstück dieses Gerichtes. Durch das erneute Erhitzen wird das Fleisch jedoch trockener und zäher und es bleibt zwischen den Zähnen hängen, ob du willst oder nicht. Und wer will schon eine aufgewärmte Liebe, wenn die Basis nicht mehr die gleiche ist. Das wird keinem schmecken. Auch wenn man mit Soße viel übertünchen kann – was, wenn die Soße alle ist?

Und da wäre noch der Eine. Von der Sorte „Macaroni Cheese“. Der so cool und lecker ist wie der Name „Macaroni Cheese“ schon vermuten lässt. Nicht, dass man einfach Käsenudelauflauf sagen könnte. Es handelt sich hier um etwas Besonderes – eine Liebesgeschichte, die sich ungefähr so lange ziehen lässt, wie der überbackene Käse auf diesem Gericht. Manchmal nervig, aber eigentlich möchte man nicht, dass der Käse ein Ende nimmt, wenn man wieder an Fahrt gewonnen und den Käsefaden vor dem Einreißen eingeholt hat. Dieses Gericht besteht aus vielen und tollen Zutaten. Neben simplen, aber nicht wegzudenkenden Grundgewürzen, die dem Ganzen eine Basisnote verleihen, verfeinert mit einer gewissen Prise an Würze und Schärfe. Frische und (vielleicht nicht immer) mit Liebe behandelte Zutaten. Ein einfach aussehendes, dennoch vielschichtiges und nicht wenig aufwendiges Gericht, das satt macht, aber auch Lust auf mehr. Außen knusprig und innen ganz weich und erst durch die unterschiedlichen Komponenten zu dem wird, was es ist. Etwas, was alle Sinne berührt, das zufrieden und glücklich macht. Bis zu einem gewissen Grad. Isst man zu viel davon, liegt es einem schwer im Magen. Entweder man hört auf oder isst zu einem späteren Zeitpunkt erneut davon. Denn dieses Essen eignet sich sehr gut dafür, um es aufgewärmt zu genießen. Es schmeckt sogar noch ein bisschen besser, da der Käse nicht mehr zäh, sondern noch krosser wird. Würde das auch auf diese Liebe zutreffen? Zumindest kann man dieses Gericht wunderbar mehr als einmal warmmachen – allerdings nur so oft bis es irgendwann aufgegessen oder die Kruste so hart geworden ist, dass man kaum noch durchkommt.

Ob ich nun mehr über die (aufgewärmte) Liebe weiß? Das weiß ich nicht. Was ich aber weiß, dass ich großen Hunger bekommen habe. „Macaroni Cheese“ wäre jetzt wirklich toll, aber dazu fehlen mir leider die Zutaten. Gut, dass ich noch Spinat-Lachs-Lasagne von gestern habe, die ich mir schnell mal warmmache.

Und während ich vor dem Backofen warte, frage ich mich, welche Art von Liebe ist das bei meiner Freundin und ihrem Ex gewesen? Schwer zu sagen. Mag sein, dass es funktionieren wird, vielleicht auch besser oder anders gut wird. Es kommt wohl auf den Einzelfall an. Der Geschmack eines aufgewärmten Gerichtes hängt sicherlich auch davon ab, wie es warmgemacht wurde. Schonend gedämpft oder durch die Mikrowelle gejagt? Es gibt außerdem Gerichte, die können nichts dafür, dass sie aufgewärmt nicht gut sind. Es sind vielmehr die Bakterien, die sich bilden und sich beim Aufwärmen vermehren und letztlich krank machen können. Bleibt zu hoffen, dass beim Aufwärmen gewisse Triebe beim „nicht-mehr Ex“ meiner Freundin vernichtet wurden. In jedem Falle hoffe ich, dass sie kein Bauchweh bekommt. Bon Appétit !

 

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