KOMM ICH HEUT NICHT, KOMM ICH MORGEN – AUCH NICHT

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Oder doch? Vielleicht, mal sehen. Je nachdem. Eventuell schaffe ich es unter Umständen, wenn gegebenenfalls die Möglichkeit besteht. Dafür aber mit hoher Gewissheit weiß ich, dass ich es jetzt noch nicht weiß, ob ich kommen kann.

Wenigstens etwas.

So und ungefähr können Antworten auf Einladungen oder Anfragen für Treffen aussehen, die mit vermeintlich hoher Vorlaufzeit angefragt werden. Von ganz ungefähr kommt diese Unverbindlichkeit allerdings nicht. In einer Welt, die sich nicht nur sehr schnell dreht, sondern viele darin auch nur um sich selbst, scheint Unverbindlichkeit eine Selbstverständlichkeit geworden sein. Man könnte fast meinen, das gehört bei manchen schon zum guten Ton. Vielleicht ist das zeitgemäß. Leute, die immer auf dem Laufenden sind, machen so etwas eben? Auf Trab halten sie die anderen damit allemal.

Früher tat ich das auch hin und wieder, auf jeden Fall öfter als heute, weil ich mittlerweile erkannt habe, dass es unschön ist andere hinzuhalten statt definitiv zu- oder abzusagen, wenn man doch weiß, dass man kann oder nicht. Was ist daran so schlimm, einem guten Freund eine feste Antwort zu geben, wenn man sie hat? Dass es Umstände gibt, bei denen man es tatsächlich noch nicht genau sagen kann, das ist eine andere Sache. Aber klingen Sätze wie: „Ich würde schon gerne kommen/mich gerne mit dir treffen, ABER…ich sage trotzdem lieber mit Vorbehalt zu, da ich nicht weiß, was in 5 Wochen sein könnte“ (Force Majeure und so) nicht nach Hintertürchen? Dass etwas Besseres kommen könnte? Danach, dass man heute noch nicht weiß, ob man an dem Tag überhaupt noch Lust hat? Irgendwie schade. Denn irgendwie heißt es doch immer, wir müssen uns unbedingt bald mal wieder treffen und was zusammen machen. Ist es dann vielleicht doch eher die Person mit der man nichts unternehmen möchte oder der Event an sich, den man zu meiden versucht.

Eine Option zu sein – ein Gefühl, was sich leider nicht immer vermeiden lässt. Gut natürlich, wenn man dann die Beste von allen ist.

Manchmal frage ich mich, wie wir das früher mit den Verabredungen gemacht haben. Damals. In einer Zeit ohne Internet, Smartphones und Whatsapp – ich erinnere mich sogar noch an Zeiten, in denen es GAR KEINE Handys gab und man sich im Notfall eine Telefonzelle gesucht hat. Ich klinge schon wie meine Eltern – fehlt nur noch, dass ich sage, damals war alles besser. Es war anders. Lassen wir das mal so stehen. Was ich aber in der Tat unterschreiben würde: Die Verpflichtung, Verabredungen wirklich einzuhalten und sich verbindlich zu zeigen, war wesentlich größer als heute. In der Schule verabredet, über das Festnetztelefon von zu Hause Treffen ausgemacht oder Einladungskarten verschickt, mit der Post und sich schließlich an fixen Orten, zu fixen Zeitpunkten getroffen. Zwischen dem Verabreden und dem tatsächlich physischen Treffen lagen Minuten, Stunden vielleicht sogar Tage der Funkstille. Da war nichts mit spontan zu- oder absagen oder umschmeißen, wenn du wusstest, dass der andere sich schon längst auf dem Weg gemacht hat und du ihn nicht mehr erreichen kannst. Gar nicht auftauchen oder sich überlegen, dass man doch nicht sooo Lust hat, kam sicherlich auch vor, aber niemals so oft wie es heute passiert. Das weiß ich ganz sicher. Ich spreche ja (auch) von mir.

Nichts gegen Spontanität. Spontan ist gut. Ich finde das sogar sehr gut. Zu einer Geburtstagparty ganz spontan einzuladen und erwarten, dass alle Gäste spontan können, sogar, wenn einige davon in einem Umkreis von min. 250 km Entfernung wohnen, das nennt man dann wohl sehr optimistisch. Die spontanen Zu- oder Absagen der Gäste – nicht weiter schlimm, denn die eingekauften Getränke und das vorbereitete Essen bekommt man schon wieder los. Das Geld was man dafür ausgegeben hat, ach das ist ohnehin egal. Nicht! Sich spontan nach Feierabend zum Kaffeetrinken verabreden oder sich treffen, weil man gerade in der Nähe ist, ungeplant den Abend zusammen verbringen und dann entscheiden wohin man geht oder abzumachen, dass man spontan entscheidet etwas zu machen – da spricht nichts dagegen. Aber ist ein bisschen Gewissheit nicht das, was doch jeder irgendwie will? Sich auf etwas einstellen können, egal ob es ja oder nein ist. Wenn man schließlich doch absagen muss, weil man z.B. krank geworden ist, davon geht die Welt auch nicht unter und falls man doch an der Geburtstagfeier teilnehmen kann, obwohl man zunächst vom Gegenteil ausging, sollte die Freude auf beiden Seiten doch umso größer sein.

Neben groß angekündigten Feiern scheint es mir heutzutage, als wäre ein weniger groß angekündigtes „ganz normales“ Treffen für Kaffee, Klatsch und Kuchen (gerne auch Bier, Buschfunk und Bier oder Weck, Woscht und Wein) ebenso eine Herausforderung. Nicht selten sogar die größere von beiden.

Einer sagt zu, der andere vielleicht, der andere wieder ab und am Ende trifft man sich vielleicht gar nicht oder mit anderen Leuten als ursprünglich geplant.

Kann man heute ja alles problemlos in Echtzeit kurzfristig umorganisieren, während man sich auf dem Weg zur alternativen (besseren) Verabredung befindet.

Kürzlich erst, da war ich selbst mal wieder in der Situation der Gastgeberin, der Fragenden und somit Wartenden, nachdem ich zu meiner Wohnungseinweihung eingeladen hatte. Ich war bereits auf das Schlimmste eingestellt und dann passierte folgendes: Mir sagten einige und zwar mehr als erwartet VERBINDLICH zu. Manche auch persönlich und doppelt über Facebook und Whatsapp, Handy und SMS. Unfassbar. Und das Beste, es kamen tatsächlich alle, die zugesagt hatten und am Ende wollte von denen auch gar keiner mehr gehen. Dabei wusste niemand, dass ich die Party selbst nur mit Vorbehalt geplant hatte. Du weißt ja, man weiß nie.

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